Das Leben an Bord eines Schleppers

Das Leben an Bord eines Schleppers


Zu meinen Aufgaben gehört ja das Bekochen der Besatzung. Aber nur als Nebenaufgabe.
Des weiteren bin ich für folgendes zuständig und verantwortlich. Konservierungsarbeiten an
Deck( entrosten,schleifen,konservieren und malen), Farbverwaltung und Bestellung, Reinigung
der gemeinsamen Innenräume(Messe,Gänge und Kombüse) und das Deck und die Aufbauten
müssen auch mal gewaschen werden. Nun kommen wir zu den eigentlichen Aufgaben. In der
Regel sind wir von 24 Stunden 14 Stunden einsetzbar um Schiffe an und abzulegen und
Pontons innerhalb des Hafens zu verschleppen. Dabei stelle ich dann die Schleppverbindung
her. Es wird mir vom Schiff eine sogenannte Wurfleine zugeschmissen. Diese verbinde ich dann
mit einem 30 Meter langem dünnen Draht, der mit unserem eigentlichen Schleppdraht
verbunden ist. Dieser Draht hat je nach PS-Kraft der Schlepper eine Stärke von 28mm bis
56mm. Die Länge des Drahtes beträgt 30 Meter, dann ein Ruckdämpfer von 8 Meter Länge
aus synthetischen Fasern bei einer Stärke von ca.100mm, dann der eigentliche Schleppdraht
mit einer Länge von 130 Meter vom Hafenschlepper und bis zu 900 Meter auf einem
Seeschlepper. Auch die Seeschlepper werden im Hafen eingesetzt. Da die heutigen Schiffe bis
zu 400 Meter lang sind, werden auch diese Kraftprotze der See im Hafenbetrieb eingebunden.


Aufgaben des Maschinisten:
Der Maschinist (Chief) ist für die Maschinenanlage verantwortlich. Es sind sehr
leistungsfähige Maschinen mit einer Vielzahl an Pumpen , Aggregaten und Hilfsmaschinen.
Diese Anlagen müssen regelmäßig gewartet, gesäubert und auch mal repariert werden.
Ebenso muss der Maschinenraum in regelmäßigen Abständen gereinigt und auch mal
gestrichen werden. Die Winden an Deck müssen immer geschmiert sein, genauso wie alle
beweglichen mechanischen Einrichtungen. Ein sehr wichtiger Punkt ist noch die
Feuerlöscheinrichtung, die auch in regelmäßigem Abstand erprobt werden muss.
An Bord meines Schleppers befinden sich 2 Löschmonitore mit einer Pumpenleistung von
ca.2400m3 in der Stunde bei einer Wurfweite von 120 Metern. Wir haben auch eine
Selbstschutzanlage. Das heißt, wir können den Schlepper durch unzählige Düsen in einem
Wassernebel hüllen um so dicht wie möglich an einen Brandherd zu gelangen. Ferner haben
wir für spezielle Gefahrenabwehr eine Gaswarnanlage und können den Schlepper bei einem
Chemikalien-Unfall einsetzen. Dafür werden die Aufbauten komplett Luftdicht verriegelt(Alle
Türen, Bullaugen und Lüfterklappen werden dicht gemacht)
Im Inneren wird nun der Luftdruck erhöht und es können keine Chemikaliendämpfe oder
Rauchgase ins Schiff eindringen.


Aufgaben eines Kapitäns:
In erster Linie geht es ja darum das Schiff zu fahren und die Schleppmanöver auszuführen.
Auf einem Hafenschlepper hat der Kapitän in der Regel keinen Steuermann mit dabei, also
muss er den ganzen Papierkram erledigen. Jeder Job wird bis ins kleinste Detail schriftlich im
Schiffstagebuch (hat Urkundenstatus) festgehalten. Die schriftliche Verwaltung an Bord eines
Schleppers ist enorm. Tagesberichte, Monatsberichte, Monatsbestellungen, Schiffskassenverwaltung,
Seekartenberichtigung (wöchendlich), etliche Handbücher See berichtigen, usw.usw.usw.
An Bord des Seeschleppers sind die schriftlichen Arbeiten noch höher. Zur Unterstützung hat
der Kapitän dann einen Steuermann mit. Jeder Job an einer Bohrinsel wird bis ins kleinste
Detail schriftlich erarbeitet. Vorab erfolgt meist ein Meeting mit den Charterern und dem
Kapitän. Es kann vorkommen das der Fragenkatalog bis zu 1200 Fragen enthält. Es geht los
mit den Schiffsdaten, Kontrolle der Schiffspapiere bis zur Frage, ob im Kühlschrank auch ein
Thermometer liegt...
Bei der eigentlichen Bohrinsel-Verschleppung teilen sich ab Ausreise vom Hafen bis zur
Rückkehr, der Kapitän und Steuermann die Wachen, also jeder hat 6 Stunden Arbeit und 6
Stunden frei. Da wird dann gegessen und geschlafen. Auch bei der Verschleppung wird immer
Tagebuch geführt und jedes Vorkommnis und Manöver schriftlich festgehalten.
Hinzu komm noch schlechtes Wetter mit extremen Seegang, der einem auch schon mal den
Schlaf rauben kann.(Und den Hunger ebenso...)
Dieses Leben und arbeiten an Bord eines Schleppers funktioniert nur, wenn der
Zusammenhalt klappt und sich jeder auf den anderen verlassen kann.
Es ist manchmal ein Knochenjob, aber keiner würde tauschen wollen.

Nach oben


nPage.de-Seiten: Plöner Pioniere sterben nie !!! | Toni`s Fotografie und Cycelsport